Vortrag von Carla Heizmann
Am 20. Januar 2025 fand im Kulturzentrum Schöneweide ein eindrucksvoller Vortrag zur Provenienzforschung im NS-Kontext statt. Unter dem Titel „Spuren der Vergangenheit: Wie wir die Herkunft von Kunst im NS-Zeitalter erforschen?“ gab Carla Heizmann, Studentin an der Freie Universität Berlin, einen fundierten Einblick in ein sensibles und zugleich hochaktuelles Forschungsfeld.
Plakat zum Vortrag
Carla Heizmann
Raumkunst und private Kunstsammlungen im Nationalsozialismus
Im Zentrum des Vortrags stand die Raumkunst im „Dritten Reich“ sowie der Umgang mit Kunstsammlungen und Gemälden aus dem Privatbesitz jüdischer Bürgerinnen und Bürger, die zwischen 1933 und 1945 systematisch enteignet, unter Zwang verkauft oder beschlagnahmt wurden. Anhand historischer Zusammenhänge wurde deutlich, wie eng Kunst, Ideologie und Macht im Nationalsozialismus miteinander verknüpft waren – und wie sehr diese Geschichte bis heute nachwirkt.
Provenienzforschung: Präzise Recherche und große Verantwortung
Einen besonderen Schwerpunkt bildete der Prozess der Provenienzforschung. Carla Heizmann erläuterte anschaulich,
- welche Quellen bei der Recherche zu Kunstwerken genutzt werden (u. a. Archivmaterialien, Inventarlisten, Fotografien, handschriftliche Vermerke),
- wie komplex und langwierig die Nachverfolgung von Besitzwegen ist,
- und wie sensibel selbst kleinste Hinweise bewertet werden müssen.
Dabei wurde deutlich: Provenienzforschung ist eine Form detektivischer Arbeit, die wissenschaftliche Genauigkeit und ethische Verantwortung miteinander verbindet. Bislang konnte nur etwa ein Sechstel der registrierten NS-Raubkunstfälle erfolgreich bearbeitet werden – ein Hinweis auf den enormen Umfang der noch offenen Aufgaben.
Künstliche Intelligenz als unterstützendes Werkzeug
Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wurde thematisiert. KI unterstützt die Provenienzforschung heute unter anderem bei der Schrifterkennung, der Analyse von Bildschichten sowie bei der Bilderkennung. Sie kann Recherchen beschleunigen und neue Hinweise liefern, ersetzt jedoch nicht die kritische Einordnung durch die Forschenden.
Ein Vortrag mit nachhaltiger Wirkung
Der Vortrag richtete sich an kultur- und geschichtsinteressierte Besucherinnen und Besucher sowie Mitglieder des Kunstvereins. Er vermittelte eindrucksvoll, dass Provenienzforschung kein abgeschlossenes Kapitel ist, sondern ein dauerhafter Prozess der Aufarbeitung, der dazu beiträgt, geraubte Kunstwerke und die Geschichten ihrer ursprünglichen Eigentümer sichtbar zu machen.
Wir bedanken uns herzlich bei Carla Heizmann für den fundierten, engagierten und gut verständlichen Vortrag sowie für die wichtigen Einblicke in ein Forschungsfeld von hoher gesellschaftlicher Bedeutung.
Wann: 20.01.2025, 16–18 Uhr
Wo: Kulturzentrum Schöneweide | Gartenhaus, Schnellerstraße 81, 12439 Berlin
EH., 20.01.2026
